Metastatic Breast Cancer (MBC) in Europe

Gastbeitrag von MdEP Alberto Cirio.

Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Und bei fast jeder dritten Brustkrebspatientin entwickeln sich Metastasen. In Italien allein leiden 30.000 Frauen an metastasiertem Brustkrebs (MBK). Und die Zahlen scheinen weiter anzusteigen. Die gute Nachricht ist allerdings, dass laut der italienischen Überwachungsagentur für seltene Krankheiten die Überlebensrate von Frauen, bei denen Brustkrebs festgestellt wurde, nach fünf Jahren inzwischen bei 87 Prozent liegt. Aber das ist nicht genug. Wir müssen es schaffen, dass die Überlebensrate auch bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs steigt. Die Wissenschaft hat ihren Beitrag dazu bereits geleistet und wird dies hoffentlich auch in Zukunft tun. Die Politik muss diese Bemühungen unterstützen, auch wenn man ein solches Problem leider nicht mit einem einzigen Federstrich beseitigen kann – es braucht fortdauernden Einsatz von vielen Akteuren. Darüber hinaus haben verschiedene Ebenen der Politik bei diesem Thema unterschiedliche Verantwortungen. Eine gute Koordination zwischen diesen Ebenen wäre ein wichtiger Schritt nach vorne.

In meiner aktuellen, ersten Amtszeit als Mitglied des Europäischen Parlaments, muss ich persönlich eine gewisse Frustration darüber erleben, was die EU tatsächlich tun kann. Gerade in der Gesundheitspolitik basiert das gesamte europäische Konstrukt auf einem Vertrag, der diesen Bereich ganz eindeutig den Mitgliedstaaten zuteilt und für uns nur ergänzende Maßnahmen sowie den Austausch von Best Practices ermöglicht. Das bedeutet dennoch, dass viele Maßnahmen auf EU-Ebene getroffen werden können, die das Leben von MBK-Patientinnen angenehmer machen können.

Zum Beispiel kann die EU einen wichtigen Beitrag durch die Wissenschaft leisten. Die EU kann Maßnahmen ergreifen, die den Mitgliedsländern dabei helfen, Daten über MBK zu sammeln. Sie kann auch die finanzielle Unterstützung für Programme mit MBK-Bezug optimieren. In diesem Feld kann viel getan werden und die Statistiken zeigen, dass metastasierter Brustkrebs eine der Prioritäten der Gesetzgeber sein muss. Eine Umfrage von GFK-Eurisko für Europa Donna unter italienischen Frauen mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren (30 Prozent der Befragten waren jünger als 45) zeigte kürzlich, welchen täglichen Hürden sich die Patientinnen gegenübersehen. Eine Verbesserung ihrer Lebensqualität durch Innovationen erhöht auch die Überlebensrate und gibt der Gesellschaft ihre Mütter, Ehefrauen und Arbeiterinnen wieder, die weiterhin zur Gesundheit und zum Wohlstand der Menschen in ihrem Umkreis beitragen. In den Statistiken sieht man jetzt Fälle, in denen Frauen noch mehr als 20 Jahre nach der Diagnose leben. Das bedeutet, dass eine Patientin unter 45 durchaus Großmutter werden, das Rentenalter erreichen und ihr Leben genießen kann, wie es jeder andere Mensch tut. Dieses Ziel müssen wir erreichen, doch dafür ist ein Mentalitätswandel notwendig.

Wichtig wären auch Maßnahmen, um die Unterstützung von MBK-Patientinnen zu verbessern und alltägliche Hürden, die aufgrund der Erkrankung entstehen, zu bewältigen. Diese Patientinnen brauchen Unterstützung bei alltäglichen Tätigkeiten sowie psychologischen und finanziellen Beistand. Ich möchte hier auch an die wichtige Rolle erinnern, die die Brustkrebsinitiative der Europäischen Kommission (ECIBC) und die Europäische Säule sozialer Rechte spielen. Das sind zwei sehr wichtige, fortlaufende Initiativen, die auch besonders MBK ansprechen sollten und die den Mitgliedstaaten geeignete Rahmenbedingungen liefern, damit sie die Lebensumstände von MBK-Patientinnen angenehmer machen können. Darüber hinaus muss die Gesellschaft an sich lernen, sich selbst bilden, um diesen Patientinnen mehr Mithilfe und unterstützende Einstellungen entgegenzubringen. Selbst wenn die Erkrankung chronisch geworden ist, können MBK-Patientinnen normal weiterarbeiten und -leben. Was eigentlich eine normale Wahrnehmung dieser Frauen sein sollte, bedarf leider einer gezielten Politikmaßnahme – wenn auch keiner Gesetzesinitiative.

Wie bereits erläutert: Bildung ist der Schlüssel zur Änderung der Mentalität, zum Ausmerzen von falschen Vorstellungen und Missverständnissen und zum Ablegen der Angst, über die Krankheit zu sprechen. Ich komme aus einem ländlichen Gebiet. Wenn man dort über Brustkrebs spricht, wird das mit Verlegenheit und Beschämung getan und aufgenommen. Es wird nicht leicht sein, aber es ist zwingend notwendig, dass wir Wissen über Prävention, über die Wichtigkeit von Früherkennung und über Symptome verbreiten. Nur so wird klar, dass Brustkrebs und insbesondere metastasierter Brustkrebs Krankheiten sind, die sowohl auf individuell-persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene Beachtung verdienen.

Darüber hinaus müssen die Pflegenden mehr Anerkennung für ihre Arbeit und Beistand bei dieser nicht von ihnen selbst gewählten Rolle erhalten. Ich meine damit nicht nur die „handwerklichen“ Fähigkeiten, sondern auch die psychologische Untertsützung, die Kinder und Familienmitglieder im Allgemeinen benötigen, wenn eine ihnen nahestehende Person eine solche Diagnose erhält. Laut einer Studie in Italien sind 65 Prozent der Pflegenden besorgt, wie es weitergeht (im Gegensatz zu lediglich 51 Prozent der Patienten), 44 Prozent sagen, dass sie sogar Angst haben (28 Prozent der Patienten) und nur zwei Prozent nehmen es leicht (30 Prozent der Patienten).

Meine Heimatstadt hat ungefähr 30.000 Einwohner. Die gleiche Zahl an Frauen in meinem Land leidet an MBK. Ich habe deswegen eine greifbare Vorstellung davon, wie wichtig es ist, zu verhindern, dass noch mehr Frauen zu dieser Patientengruppe hinzukommen; dass die Lebensqualität der Patientinnen verbessert wird; und dass politische Instrumente angewendet werden, die sicherstellen, dass erkrankte Frauen ein Teil dieser Gesellschaft bleiben können, die sie dringend braucht. Vergangenes Jahr habe ich den Start einer Gruppe mit vielen Akteuren unterstützt, die eine sogenannte Policy Roadmap für MBK erarbeitet hat. Dieses Dokument bietet spezifische Empfehlungen für politische Maßnahmen, mit denen die Bedingungen für MBK-Patientinnen in der ganzen EU, aber auch in einzelnen Staaten wie Italien verbessert werden können. Ich freue mich darauf, dass diese Maßnahmen mit diesen Instrumenten auch wirklich umgesetzt werden und damit ein überaus wichtiges Ziel in ganz Europa und darüber hinaus erreicht werden kann.

Alberto Cirio ist ein italienischer Europaabgeordneter (EVP/Forza Italia), der 2014 ins EU-Parlament gewählt wurde. Er ist Mitglied der ENVI- und AGRI-Ausschüsse des Europäischen Parlaments und Ko-Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Parlamentarischen Versammlung Euronest.

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